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Sächsische Journalisten gründen Genossenschaft
In wirtschaftlich bewegten Zeiten gehen Medienschaffende aus dem Raum Dresden einen ungewöhnlichen Weg. Die sieben Freiberufler haben eine Genossenschaft gegründet und bündeln unter dem Logo „MontagMorgen.punctum eG“ ihre Projekte. „Der Montagmorgen ist für uns die Metapher des Aufbruchs und Neuanfangs. Als Kreative bringen wir die Dinge immer auf den Punkt“, sagt Vorstand Dagmar Möbius mit einem Augenzwinkern. „In der Genossenschaft können wir Vorhaben stemmen, die wegen ihres Volumens Freiberufler einzeln nicht bewältigen. Im Gegensatz zu Vereinen besitzt die Genossenschaft Kaufmannseigenschaften, kommt aber gleichzeitig unserem Ideal der Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und gesellschaftlichem Engagement am nächsten“, sagt Vorstand Doreen Knorr-Kasalka. Die Genossenschaftler bieten alle erdenklichen Leistungen rund um Print, Textdesign, PR, Fotografie, Internet und Eventmanagement. Die Idee haben die beiden Frauen entwickelt.
Die Genossenschaft (eG) hat einen klar umrissenen gesellschaftlichen Auftrag: ihre Mitglieder zu fördern. Bei MontagMorgen.punctum bedeutet das zunächst, den Mitgliedern durch geballte Verhandlungsmacht den Rücken zu stärken. Bei Gemeinschaftsvorhaben tritt die eG als Auftragnehmer auf, unabhängig davon, wie viele Leute mitarbeiten. Ein geschlossener Auftritt wirkt sich positiv auf das wirtschaftliche Ergebnis aus, sagt Doreen Knorr-Kasalka, die die Verträge aushandelt. Dagmar Möbius schätzt den fachlichen Austausch und die Synergien zwischen den Fachgebieten. .
Über Vorhaben diskutieren alle, letztlich entscheidet der Vorstand, heißt es. Für jedes Projekt unterbreiten die Kreativen dem Vorstand ein Angebot mit Honorarvorstellungen. Die Summe der veranschlagten Honorare wird als Paket mit Auftraggebern in spe verhandelt und intern wieder aufgeschlüsselt, wenn der Auftrag zustande kommt. Die MontagMorgen-Macher nehmen eine „schwarze Null“ ins Visier. „Wir zahlen keine Vorschüsse, sondern erst, wenn der Kunde bezahlt hat“, stellt Knorr-Kasalka klar. Zwanzig Prozent des persönlichen Netto-Honorars bleiben in der Genossenschaftskasse, die verbleibenden 80 Prozent rechnet jeder Beteiligte separat ab. Mit Abgaben von jährlich insgesamt 2000 Euro ist zu rechnen, denn die Satzung schreibt für jedes Mitglied einen Mindestumsatz von 10 000 Euro pro Jahr im Rahmen der Genossenschaft vor. Für Sozialabgaben, Büro und sonstige Ausgaben kommt jeder selbst auf. Arbeit auf eigene Rechnung ist möglich. Das Einbringen von Aufträgen ist erwünscht, aber keine Pflicht. Die kommenden zwei Monate haben die Macher gut zu tun, denn in den Büchern stehen sechs Gemeinschaftsaufträge mit Volumina zwischen 10 000 Euro und 25 000 Euro
Für Härtefälle wie längere Krankheit sind Ausnahmeregelungen vorgesehen. „Wenn sich jemand auf dem Rücken der Anderen ausruht, wird es aber sehr schnell ernst“, sagt Knorr-Kasalka. Dann drohen Sanktionen bis hin zum Ausschluss. „Wenn ein Mitglied über Monate seine Pflichten vernachlässigt, muss er sich aber fragen lassen, ob seine Ziele noch mit denen der Genossenschaft übereinstimmen“, so Doreen Knorr-Kasalka. Demokratie Eigeninitiative und Solidarität werden groß geschrieben. „Lehnt die Genossenschaft einen Auftrag ab, muss das der Einzelne schlucken, auch wenn er anderer Meinung ist“, so die Vorstandsvorsitzende. Umgekehrt genauso.
Über die Genossenschaftskasse entscheidet die Generalversammlung. „Auf lange Sicht wollen wir auch die 20 Prozent auszahlen“, sagt Knorr-Kasalka. Vorerst müssen Anwalts-, Notars- oder Anmeldekosten beglichen werden. MontagMorgen.punctum ist nach den Vorgaben für Genossenschaften gegründet und Mitglied im Mitteldeutschen Genossenschaftsverband (Raiffeisen/Schulze-Delitzsch) e.V., das Logo ist geschützt. Es gibt einen Vorstand und einen Aufsichtsrat. Am19. März stellt sich die Genossenschaft in einer öffentlichen Veranstaltung vor. Der Abend im Flughafen Dresden wird zugleich Auftakt einer eigenen Veranstaltungsreihe, die Mittel zugunsten bedürftiger gemeinnütziger Einrichtungen einspielen soll.
(kat)
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